Die Motive, aufgrund deren man sich für ein Sprachenstudium entscheidet, sind oft unterschiedlich. Für den einen ist es das Interesse an einer fremden Kultur, für den anderen sind die Beweggründe praktisch bedingt, z. B. durch Ferien oder Handelsbeziehungen.
Die zu diesen Zwecken erworbenen Kenntnisse bleiben in der Regel personengebunden.
Dem Studium des Übersetzens, hingegen, liegt ein zusätzliches Motiv zugrunde, und zwar der Wunsch, das Bedürfnis oder die Notwendigkeit, fremdsprachliche Texte für andere zu erschließen. Wer sich also für ein Übersetzungsstudium entscheidet, entscheidet sich für eine besondere und verantwortungsvolle Aufgabe.

Übersetzer, die schon einige Zeit in der Praxis tätig sind, bemerken oft, dass ihnen bestimmte Kenntnisse fehlen. Sie werden nämlich mit Übersetzungsproblemen konfrontiert, die aufgrund von Kenntnissen im grammatikalischen und terminologischen Bereich nicht zufriedenstellend gelöst werden können. Der Übersetzer kommt zu der Erkenntnis, dass ihm Einsichten fehlen, die ihm das Sprachenstudium nicht vermittelt hat, oder sogar zu der Schlussfolgerung, dass bestimmte Begriffe oder Strukturen unübersetzbar seien. Um dieses Problem der sogenannten Unübersetzbarkeit bewältigen zu können, muss er lernen, zwischen den Strukturen auf der Textoberfläche und der Intention und ‘Textwelt' hinter diesen Strukturen zu unterscheiden.
Zwei Entwicklungen in den vergangenen Jahrzehnten unterstützen die Ansicht, dass Übersetzungskunde als eine eigenständige Disziplin, unabhängig vom Fremdsprachenunterricht, unterrichtet werden sollte.
Die erste Entwicklung ist die moderne Textwissenschaft, die am Ende der 70er Jahre als interdisziplinärer Zweig der Wissenschaft entstand. Die zweite Entwicklung ist die zunehmende Zahl von übersetzungstheoretischen Veröffentlichungen. Diese war besonders ergebnisvoll, indem sie dem Übersetzer wertvolle und brauchbare Einsichten vermittelte, wie z. B. die außerordentlich wichtige Bedeutung des Situationskontextes für die Interpretation und Wiedergabe einzelner Textteile und Texte.
Die Anwendung textwissenschaftlicher Ergebnisse auf das Übersetzen hat überdies zu einem grundsätzlich anderen Ansatz des Übersetzungsstudiums geführt, und somit zu einer besseren Vorbereitung auf den Beruf des Übersetzers.
Im Sprachenunterricht beschäftigt man sich mit dem Vergleich sprachlicher Formen und Strukturen, und die Übersetzungsübungen dienen der Kontrolle der fremdsprachlichen Kompetenz. Das Übersetzen im Fremdsprachenunterricht ist also Mittel zur Kontrolle und nicht Zweck an sich. Es bleibt beim Übersetzen von Sprache zu Sprache.
Berufstätige Übersetzer, jedoch, befassen sich mit Texten. Der Begriff ‘Text' wird von der modernen Textwissenschaft als eine, in einer bestimmten Kultur eingebettete, kommunikative Handlung definiert. Übersetzen von Text zu Text bedeutet deshalb, dass der Übersetzer sein sprachliches Handeln auf die Ebene des interkulturellen kommunikativen Handelns ausweiten muss.
Kommunikation durch Sprache ist eine Form des zwischenmenschlichen Handelns. Grundlegend neu im Unterricht ist eine Verschiebung des Schwerpunkts von der sprachlichen Kompetenz auf die kommunikative Kompetenz.
Das Übersetzen auf der Grundlage der kommunikativen Kompetenz macht Kenntnisse erforderlich, die über die fremdsprachliche Kompetenz hinausgehen.
Der Übersetzer wird imstande sein, diese Kenntnisse als Instrument bei seiner Übersetzungstätigkeit einzusetzen.
Sprachliche Kompetenz ist an sich unentbehrlich für das Textverständnis. Einen Text verstehen heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass man ihn auch übersetzen kann. Wer eine Fremdsprache beherrscht, braucht nicht mehr zu übersetzen beim Lesen eines in dieser Sprache verfassten Textes. In fast allen Fällen begreift man unmittelbar, was geschrieben steht, ohne auf die eigene Sprache zurückgreifen zu müssen.
Sobald wir jedoch anderen klarmachen wollen, was geschrieben steht, fangen wir einen Suchprozess an nach der richtigen Wiedergabe von dem, was wir schon begriffen haben.
Der Übersetzer, der seine Arbeit als interkulturelles, kommunikatives Handeln begreift, kann sich nicht damit begnügen, Wörter und Strukturen aus einer Sprache durch die einer anderen Sprache zu ersetzen. Er weiß, dass Wörter und Sätze auf Papier zwar zuverlässige Anhaltspunkte sind, aber nie identisch mit der kommunikativen Funktion eines Textes sein können. Dadurch, dass der Übersetzer bekannt ist mit den Kriterien, die entscheidend sind für das Gelingen des einsprachigen Kommunikationsaktes, ist er imstande zu analysieren, wie dieser im Ausgangstext realisiert wurde. Anschließend kommt es darauf an, dieser Kommunikationsakt auf Neuem für den fremdsprachlichen Leser zu realisieren. Dies bedeutet, dass der Übersetzer Abstand von den Formulierungen aus dem Ausgangstext nehmen muss und Formulierungen wählt, die dem kulturspezifischen Denken und Handeln des fremdsprachlichen Lesers entsprechen.
Ich biete Spezialkurse an im Bereich Übersetzungskunde. Diese Kurse sind besonders geeignet für Personen, die aufgrund ihres Berufes oder ihrer Tätigkeit mehrsprachige Kontakte pflegen, bzw. fremdsprachliche Texte im amtlichen, wissenschaftlichen oder rechtssprachlichen Bereich lesen oder für andere zugänglich machen müssen.
Im Gegensatz zum herkömmlichen Englischunterricht ist unser vorrangiges Ziel die Vermittlung des Englischen als Kommunikationsinstrument. Dies gilt für jede Form von Englischunterricht, jedoch insbesondere für den fachbezogenen Englischunterricht, dessen Adressaten ein Interesse daran haben, in „echten“ kommunikativen Situationen Bedeutungen vermitteln zu können. Somit gilt, dass die Sprache im fachbezogenen Englischunterricht als Instrument für die Beschäftigung mit und Tätigkeit in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft vermittelt werden muss.
Aus diesem Tätigkeitsaspekt geht hervor, dass es weniger um die Vermittlung von Fachwissen geht – die Studenten bringen dieses Wissen oft schon mit – , sondern um einen auf bestimmten Lernzielen und Sprachverwendungs-situationen ausgerichteten Englischunterricht. Ein solcher Unterricht soll sich nicht auf die bloße Vermittlung von Fachtermini – auf der Grundlage eines allgemein orientierten Englischunterrichtes – beschränken. Die Schwierigkeiten für den Lernenden liegen weniger im Bereich der Terminologie als vielmehr in der Erschließung und im Gebrauch der für die fachsprachliche Kommunikation typischen syntaktischen Mittel, Verben und Wendungen.
Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Fremdsprachendidaktik, die sich am tatsächlichen Gebrauch in Fachtexten orientiert, sowohl im ausgangssprachlichen als im zielsprachlichen Text. Dabei wird jedoch berücksichtigt, dass die Entwicklung zum fließenden Sprechen nicht auf der Grundlage allzu enger fachspezifischer Themen erfolgt. Dies gilt besonders im Bereich der Wirtschafts- und Geschäftskorrespondenz.